Der Teil der Partynacht des Jahres, der meist nicht erzählt wird: Die Heimfahrt.
Wieder sitzt sie in dieser U-Bahn. Silvester. Mitten in der Nacht. In dieser Stadt ist es eine Ausnahme, dass die U-Bahn noch fährt, ist also recht leer. Ein paar Halbschlafende. Eine Gruppe Schwarzgekleideter, die sich ange- bis betrunken unterhalten. An sich stört sie das nicht, kommt sie doch gerade aus der gleichen Disco, doch die sind ihr zu laut jetzt. Und ihr iPod zu leise.Als sie umsteigt muss sie nur kurz warten, aber einige lautstarke Böller ertragen. Sie werden in der Nähe, im Verteilergeschoss geworfen. Und sie zuckt jedes Mal. Schlicht wegen der Lautstärke. Diese Menschen haben kein Interesse an der eigenen Unversehrtheit. Geschweige denn an der Anderer. Von wegen Grundrechte.
Der anschließende Nachtbus ist dunkel, überraschend dunkel. Nur grünes Licht glimmt, Mitmenschen kann sie keine erkennen. Welches Konzept verfolgt der Busfahrer wohl damit? Die dummen Betrunkenen zu beruhigen, damit er in Ruhe fahren kann? Interessanterweise scheint es zu funktionieren, auf der ganzen Fahrt passiert gar nichts. Klar, man kann sich nicht anpöbeln, wenn man sich nicht sieht. Gut, dass sie auf ihrem Handy ein Buch liest. Auch eBooks müssen mal Vorteile haben. Und so besteht nicht die Gefahr, dass sie jemand anquatscht.
Auf Bus- oder ähnlichen Fahrten ist sie gern unsozial. Dann will sie einfach lesen oder Musik hören. Nicht reden, keinen Fremden-Smalltalk führen. Für sich sein. Besonders wenn sie müde ist.
Und das wird sie langsam. Ist auch schon spät. Die Kälte, die draußen schon wartet, macht es nicht besser. Die Abwesenheit des nächsten Busses, ihre Heimfahrt dauert nachts etwas länger und eines verfügbaren Taxis lassen die zwanzig Minuten zu einer kleinen Ewigkeit werden. Immerhin begrüßt sie im Bus dann eine arbeitende Heizung.
So beginnt das neue Jahr wie es endete: Mit einer langen Fahrt öffentlicher Verkehrsmittel.

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