zwischen meinen zeilen

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Mittwoch, 22. Juli 2015

Die Seiten der Welt

Ein Universum, das auf einer ganz besonderen Magie basiert: Der Magie der Bücher! 


Diese nennt sich Bibliomantik und man kann sie nicht ausüben ohne sein persönliches  Seelenbuch. Diese bibliomantische Parallelwelt zu der unseren ist in verschiedene Refugien unterteilt, von denen das größte Libropolis ist, quasi die Bücherhauptstadt. Sie ist aus einem wahren Bücherdorf erwachsen und beherbergt nicht als Buchhandlungen zu jeden erdenklichen Spezialthema ebenso wie solche, die in der realen Welt schließen mussten und hier weitergeführt werden können. Die Unterwelt der Stadt besteht aus Fördersystemen, welche die Bücher transportieren. In Gewächshäusern werden Lesebändchen an Bäumen gezüchtet. 
Doch wie jede Welt ist auch diese nicht perfekt. Die Machtgier der herrschenden Häuser führt zu Intrigen und ihr Umgang mit den Exlibri, Figuren, die aus ihren Geschichten gefallen sind, ist geprägt von Unrecht und Verachtung. Denn diese müssen in Ghettos leben oder verstecken sich in Refugien, um ungestört sein zu können. 
Die Person, mit der wir Leser dieses einzigartige Universum entdecken, ist Furia. Sie hat ihr Seelenbuch noch nicht gefunden und lebt mit ihrem Vater Tiberius und ihrem kleinen Bruder Pipp in einem großen, aber verborgenen Haus. Denn ihre Familie ist vor langer Zeit in Ungnade gefallen. Eines Nachts wird tiberius, der nach sogenannten „leeren Büchern“ sucht, während eines Ausflugs in eine fremde Bibliothek getötet, das Haus angegriffen und ihr Bruder entführt. Sie wollen irgendetwas von Furia, doch sie weiß nicht, was. Sie flieht nach Libropolis, das man nur mit einem Lesezeichen betreten kann und taucht ein in eine ihre völlig neue Welt…

Beide Teile sind wunderschön gestaltet, der erste enthält auch das benötigte Lesezeichen zum Eintritt nach Libropolis. Wer Bücher liebt, wird es nicht mehr verlassen wollen, da es voller niedlicher und literarischer Details steckt, die zu entdecken auch im zweiten Band spannend und faszinierend ist. Der dritte und abschließende Band soll nächstes Jahr erscheinen und die Vorfreude ist groß. 









Montag, 30. März 2015

Madame Picasso

Ein Buch voller Lieben. Eine, die plötzlich entflammt. Eine, die vergeht. Eine, die das ganze Leben dauert.


Die junge Eva Gouel kommt aus einem kleinen Vorort ins das schillernde Paris von 1911, um ihr Glück zu finden. Sie nennt sich Marcelle Humbert und schafft es als Näherin im Moulin Rouge unverzichtbar zu werden. Durch die Freundschaft der Tänzerinnen lernt sie die vornehme Fernande Olivier kennen, die ihr schnell vertraut. Bei dem Besuch einer Ausstellung experimentierfreudiger Künstler trifft sie zum ersten Mal auf Pablo Picasso und sie verbringen die Nacht miteinander in seinem Atelier. Erst später erfährt Eva, dass ausgerechnet Fernande seit Langem Madame Picasso ist und weist Pablo ab. Fernande war auch im den ganz schlimmen Zeiten an seiner Seite, doch die Liebe ist verschwunden, Machtspiele an ihre Stelle getreten und Pablo spürt, dass Eva ihn nicht nur inspiriert, sondern einen besseren Menschen aus ihm machen kann...

Eine wunderschöne Liebesgeschichte zweier Menschen, denen nur ein kurzes Glück gegönnt war. Auch wenn einiges wohl fiktiv bleiben muss, sind die beiden einfühlsam beschrieben. Paris in dieser Zeit und die Kreise der Intellektuellen und Künstler sind spannend geschildert. Die Liebe zur Kunst steckt in jeder Zeile.


Dienstag, 17. Februar 2015

Weißer Zug nach Süden

Ganz frisch erschienen und schon verschlungen, der neue Roman von Thommie Bayer. Wie alle seine Bücher hat auch dieses mich in sich eingesogen und erst nach der letzten Seite in die Realität zurück gelassen. 


Chiara ist überstürzt aus dem kleinen Dorf in Italien geflohen, in dem sie bei ihrem Vater gelebt hat und wohnt nun im Haus ihrer Freundin Leonie, solange diese in New York ist. Perfektes Timing für beide, denn Chiara hat auch Leonies Putzbefohlene übernommen und verdient dadurch genug Geld, um ein ruhiges Leben zu führen, was im Moment genau richtig für sie ist. Einer dieser Kunden ist Herr Vorden. Chiara hat ihn nie kennen gelernt, da er einige Tage in der Woche, einschließlich ihres Dienstags, nicht in der Stadt ist. Sie mag seine geschmackvolle Einrichtung, eigentlich seine ganze Wohnung und stellt schnell fest, dass er sehr genau in allem ist, weshalb sie seine Anordnung der Dinge nach dem Reinigen wieder genau herstellt. Sie hat auch ein kleines, heimliches Ritual: In seiner Wanne baden. Eines Tages kommt auch dazu, eine neue Geschichte von ihm zu lesen, die offen, herausfordernd geradezu, auf seinem Schreibtisch liegt. Diese Lektüre ist jedes Mal aufregend, da es den Anschein hat als schreibe er aus ihrem Leben…

Was vielleicht nach einem etwas merkwürdigen Plot klingt, ist in den Worten von Thommie Bayer wunderschön. Die kurzen Geschichten des Herrn Vorden sind in sich kleine Meisterwerke und die große Geschichte darum herum zeichnet das Bild einer Frau, die gerade in einer merkwürdigen Phase ihres Lebens ist, einerseits ruhig, andererseits voller widersprüchlicher Gefühle. Einfach fallen lassen und (sich) selbst entdecken.